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Eine echte Survival-E-Bike-Tour

Ich liebe E-Bike-Abenteuer. Daher lasse ich mich gelegentlich auf „Überraschungs-Touren“ auf unbekannten Strecken ein. Das Ziel: Nicht umkehren, sondern ein zuvor definiertes Ziel mit dem E-Bike irgendwie erreichen. Das Ergebnis war heute eine Art „Survival-E-Bike-Tour“.

Die Tour von heute werde ich so schnell nicht vergessen … sie begann recht gemütlich. Wurde zwischendurch zu einer Art Survival-E-Bike-Tour und hinzu kam, dass ein Pedal unterwegs abfiel. Aber der Reihe nach.

Abends wollte ich noch eine „gemütliche“ E-Bike-Tour machen. Fuhr Richtung Bärnsee. Von dort über Spöck Richtung Prien. Nach der Autobahn begann ich zu improvisieren. Ich wußte, dass es kurz vor Bernau noch eine weitere kleine Autobahnbrücke gab. Und ein Weg führte im Wald genau in diese Richtung. Die Strecke war mir allerdings unbekannt. Kurzum: Hier lauerte Abenteuer-Potenzial!

Und es wurde ein Abenteuer, denn der. Weg führte erkennbar steil bergab. So ahnte ich recht früh, dass mich irgendwo eine vertikale Distanz zur  höhergelegenen Autobahnbrücke erwarten würde. Mich erwartete aber auch noch eine Sackgasse an einem Bach genau auf der Höhe der Autobahnbrücke, die keine 100 m von mir entfernt war – aber eben auch kaum erreichbar.

Jetzt gab es drei Optionen:

  1. Ganz zurück radeln.
  2. Teilweise zurück radeln und eine Abzweigung suchen, die ich übersehen hatte.
  3. Das E-Bike durch das Dickicht den Berg zur Autobahnbrücke händische hochschieben.

Variante 1 war ausgeschlossen. Keine komplette Umkehr! Das ist ein Prinzip. So versuchte ich es zuerst mit 2., um dann auf 3. zu wechseln. Und dann begann der „Spaß“, denn das 25 kg schwere E-Bike die 20-30 Höhenmeter durch ein undurchdringliches Dickicht zu wuchten, war absolute Schwerstarbeit. Es ging mit kurzer Hose und Sportschuhen durch Sumpf, dornige Brombeer-Hecken, Farn-Wälder und einen von querliegenden Ästen wimmelnden Boden hinauf. Meine Beine waren am Ende total zerkratzt und ein paar Zecken konnte ich auch noch rechtzeitig erkennen und entfernen.

So wie in der Wildnis von Kanada – nur eben hier in Bayern, fast vor der Haustür. Und statt 25 kg Rucksack und Messer mit einem klobigen 25-kg-E-Bike „bewaffnet“.

Nach gefühlten 10-15-Minuten war der Spuk auch wieder vorbei und die Brücke erstmals erreicht. Und ich war wirklich völlig erschöpft, allerdings auch irgendwie stolz, mich durch die selbst verursachte „Survival-E-Bike-Tour“ durchgebissen zu haben. Die gemütliche Alternative wäre ja möglich gewesen. Aber ich wollte sie nicht – umkehren kann jeder ,-) …

Auf der Rückfahrt kam dann aber noch eine Überraschung dazu: Offenkundig war die Schraube, mit der das linke Pedal befestigt war, locker geworden. Tatsächlich verhakten sich immer wieder Äste bei dem „Aufstieg“. Vermutlich wurde dabei eine sich selbst verstärkende Lockerung möglich. Gott sei dank blieb das Ganze ohne Folgen. Ich fixierte die Schraube und das Pedal auch ohne Werkzeuge mit der bloßen Hand – uns so gings dann wieder heim nach Aschau – mit einigen Kratzern mehr, durchaus erschöpft, aber irgendwie auch stolz darauf, nicht den bequemen Weg genommen zu haben, sondern den wirklich (!) harten Aufstieg durch das nahezu undurchdringliche Gestrüpp.

p.s.: Die Fotos vermitteln übrigens nur einen unzureichenden Eindruck der Herausforderung. War nämlich gar nicht so einfach, diese Wildniss mit dem E-Bike in der Hand auf steilem Gelände einzufangen … Ich ließ das Smartphone auch aus Sicherheitsgründen in der Hose stecken. Wäre es im Gestrüpp runter gefallen, hätte sich die Tour als noch schwerer erwiesen als sie eh schon war.

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