HomeTagebuch1. April: Die richtig harte Tour – kein Scherz!

1. April: Die richtig harte Tour – kein Scherz!

Nacheinander probierte ich heute, zwei der steilsten mir bekannten Strecken zu meistern: Einmal bei Wald/Bach (knapp 47% Steigung) und einmal oberhalb von Innerwald (knapp 50% Steigung). Ein echt krasses Abenteuer!

Sehr starke Steigung; Datum: 1. April 2021; Distanz:18,78 km; Fahrtzeit: 1,03 h ; Akku (Start/Ende): 91/52% ; E-Bike: KTML LFC 271; Motor: Performance CX/85 NM; Display: Bosch Nyon

Schwierigkeit*:

Route (interaktiv):

  • Link: google. Die abgebildete Karte ist ein GPX-Import der gesamten Fahrt.
  • Der im nachfolgenden Text beschriebene steile Teilabschnitt ist auf der linken Seite markiert.
  • „Steile Steigung bei Wald“  anklicken! 

Erlebnisse und Learnings:

Am 1. April sollte wegen Corona ursprünglich ein so genannter „Ruhetag“ verordnet werden. Das war dann am Ende aber doch nix. Daher nahm ich mir wegen des schönen Wetters kurzfristig einen Tag Urlaub. Und da ich mich direkt nach dem Aufstehen nicht gut fühlte, machte ich nach zwei Kopfschmerztabletten am Mittag kurzentschlossen einen Corona-Test in der neuen Teststation Aschau. Das Ergebnis war wie erwartet negativ, aber wenn man schon getestet werden kann, dann sollte man es meiner Meinung nach auch tun.

Ab ca. 14 Uhr fühlte ich mich auch wieder etwas fitter. Die Sonne schien. Es hatte über 20 Grad. Ideale Voraussetzungen, um eine intensivere Tour zu machen. Mir war aber von Beginn an klar: Heute sollte es nicht auf Distanz oder Höhe gehen (es liegt noch zu viel Schnee oben auf den Bergen). Heute war Steigung angesagt. Maximale Steigung! Zum Aufwärmen fuhr ich anfangs über die Stammstrecke, dann ging es weiter nach Bach zum bislang steilsten mir bekannten Weg.

Die Strecke bei Wald/Bach mit über 45% Steigung: Im neunten Anlauf hat es endlich geklappt. Dieses Video ist eigentlich nur bedingt sehenswert, denn es ist unruhig, wackelig und auch akustisch holprig. Aber genau dadurch dokumentiert es den Wahnsinn der Auffahrt recht gut! Acht Mal scheitere ich – erst nachdem ich den Sattel ganz nach unten gestellt habe, gelingt die Auffahrt auf dem schwer befahrbaren Waldweg. Kein Wunder, dass ich nachher recht kaputt gewesen bin.

X-Anläufe vor dem Erfolg

Die Strecke bei Wald ist nicht lang – etwa 90 Meter, aber sie ist heftig. Vor drei Wochen befuhr ich sie das erste Mal. Im zweiten Anlauf schaffte ich es damals (bei Idealbedingungen) bis hinauf zum Ende der Strecke. Heute war es deutlich schwieriger. Ich weiß nicht mehr genau, wie viele Anläufe ich gebraucht habe: Waren es 5 oder 6? Keine Ahnung! Immer wieder mußte ich nach ca. 30-40m in der ersten Kurve absteigen. Der Grund war mir zunächst unklar: Warum klappte es heute nicht??? Was war anders? War der Weg feuchter?

Erst als ich den Sattel ganz nach unten gestellt hatte, sollte es endlich klappen, an der ersten Linkskurve vorbei zu kommen. Allerdings mußte ich nach der zweiten Rechtskurve unverhofft absteigen, weil dicke Äste auf dem Weg lagen, die ich in Anbetracht der Steigung nicht umfahren konnte. Also Äste wegräumen. Wieder von vorn anfangen. Schließlich klappte es: Im letzten Anlauf ging es bis ganz nach oben. Ich war glücklich, aber wegen der vielen vergeblichen Anläufe auch einigermaßen geschafft.

Die Steigung bei Wald/Bach ist fordernd, und der Boden ist schwer befahrbar. Man erkennt aber im roten Rechteck, dass die Trittfrequenz zu diesem Zeitpunkt noch signifikant höher war als später bei Innerwald (siehe Bilder unten). Trotzdem brauchte ich auch bei Wald/ mehrere Anläufe. Der Grund: Ich hatte den Sattel anfangs noch zu hoch eingestellt. Das KTM 271 LFC hat einen hohen Schwerpunkt: Das Vorderrad hob daher zunächst immer wieder ab.

Die Kraft ließ nach

Obwohl ich aufgrund der vielen Anläufe schon spürbar Energie eingebüßt hatte, wollte ich weiter zu einem Stück fahren, das in meiner Erinnerung noch steiler war als die gerade gefahrene Strecke. Irgendwann im Herbst 2020 fuhr ich schon einmal oberhalb Innerwald den Berg hinauf – allerdings nach ganz oben. Mit „ganz oben“ gemeint ist ein Abschnitt oberhalb der Strecke, die ich mit 38,71% an meinem Geburtstag hoch geradelt bin.

An das erste Mal erinnere ich mich noch gut: Da hatte ich gerade meine GoProXtreme ausprobiert. Nur war ich mit den Filmaufnahmen damals nicht ganz so happy. Daher nahm ich diesmal das iPhone mit. Das sollte mir allerdings nicht so viel nützen wie erhofft! Schon bei dem ersten Anstieg (weiter unten kurz nach Innerwald) merkte ich, wie wenig Power ich hatte. Die Messung mit FreeStyle Libre machte auch schnell klar, warum: Der Glucose-Spiegel viel rasch ab und lag noch deutlich unterhalb der richtig steilen Strecke bei 76. Ich machte daher auf halbem Wege nach oben eine Pause, legte einige Klamotten ab, aß einen Apfel und Trank etwas Mineralwasser.

Der neue Benchmark: 50% Steigung!

Nach ca. 10 Minuten Pause ging es weiter bis kurz unterhalb des Abschnitts, den ich als besonders steil in Erinnerung hatte. Und ja: Die Messung ergab knapp 50% Steigung – und das bei ziemlich gerölligem Boden. Schon im ersten Anlauf mußte ich nach wenigen Metern dieses besonders steilen, ca. 25m langen Abschnitts absteigen. Die Hinterräder drehten durch und das Vorderrad hob ab. Daher analysierte ich erst einmal den Weg im Hinblick auf den Grip: Anfangs war er auf der linken Seite höher, dann auf der rechten. Ich entfernte auf diesen Abschnitten lose Steine, Tannenzapfen und Äste und nahm erneut Anlauf. Aber: Auch nach fünf Anläufen schaffte ich stets nur 4/5 dieses Abschnitts. Dann war allerspätestens Schluss.

Als ich zuhause auf eBike-Connect die Daten analysierte, wurde mir klar, woran dies lag: Zwar hatte ich die volle Power meiner Bosch Performance CX mit 85 NM auf meiner Seite, aber meine Trittfrequenz war deutlich geringer als noch kurz zuvor bei der ähnlich steilen Strecke bei Bach. Ich kam vermutlich aufgrund der zuvor „vergeudeten“ Energie einfach nicht mehr auf eine Geschwindigkeit, mit der man dieses extrem steile Stück würde meistern können. Ich erreichte bei etwa 90 UpM nur maximal 9 km/h und das auch nur für wenige Sekunden. In Bach waren es über 13 km/h bei bis zu 127 UpM. In Kombination mit der Notwendigkeit des Spurwechsels fällt der Speed auf unter 6 km/h. Dann ist Ende Gelände.

Steil. Steiler. Am steilsten: Die Strecke oberhalb von Innerwald an ihrer schwierigsten Stelle. Die knapp 50% Steigung auf einer Länge von 25m sind nicht das einzige Problem. Man muss aufgrund des losen Bodens auch noch die Spur wechseln. Die Kombi ist – wenn überhaupt – mit einem KTM 271 LFC nur mit einer „besonderen“ Körperhaltung zu schaffen: Das gesamt Gewicht muss bei niedrigster Satteleinstellung nach vorne verlagert werden. Aber selbst damit bin ich (heute) gescheitert. 

Die Bilder zeigen: Das wirklich steile Stück mit knapp 50% Steigung beginnt erst weiter oberhalb (rotes Quadrat). Die Strecke davor ist mit bis zu 38%/40% noch recht gut befahrbar. Man erkennt auch: Hier war kein Absteigen erforderlich. Das rechte Bild macht klar: Trotz mehrerer Anläufe bin ich im besonders steilen Abschnitt nur bis kurz vor die Kurve gekommen – das sind rund 4/5 der Herausforderung … 1/5 fehlte. 

Das Bild von eBike-Connect zeigt: Im rechts markierten Bereich lag die Trittfrequenz erkennbar unter der bei Wald/Bach wenige Kilometer zuvor. Ein Grund dafür war der Glucose-Spiegel, der bei Innerwald auf 76 gefallen war: Selbst nach einer Pause und einem Apfel war ich einfach noch zu erschöpft. 

Das nächste Mal mit mehr Energie

Rückblickend ist eines klar: Bei knapp 50% Steigung und diesem Boden ist selbst bloßes Stehen und Gehen ein Abenteuer. Diesen Abschnitt kann ich zudem nur dann mit meinem E-Bike schaffen, wenn ich richtig fit bin und vorher keine anderen Experimente wie Wald/Bach mache. Das bedeutet nicht, dass ich es dann im nächsten Anlauf tatsächlich schaffe, aber: Ich bin zuversichtlich, dass ich dann die Learnings von heute besser umsetzen kann. In diesem Sinne: Fortsetzung folgt!

* Achtung: Beide Steigungen sind nur geübten E-Bikern zu empfehlen!

Die Videos zeigen, dass ich auch hier zig verschiedene Anläufe genommen hatte, um irgendwie den besonders steilen Abschnitt mit knapp 50% Steigung zu meistern. Aber: Es wollte einfach nicht klappen. Ein Grund: Ich war von der ersten Steigung bei Bach und der hohen Temperaturen leicht unterzuckert. Die Power ließ spürbar nach.

Die Bilder des steilen Abschnitts bei Innerwald