HomeTagebuchEin wahres Waschbären-Erdkröten-Massaker

Ein wahres Waschbären-Erdkröten-Massaker

Ein Waschbär-Erdkröten-Massaker … in Aschau. Mehr als 100 tote adulte Erdkröten. Es gibt Beiträge, die möchte man eigentlich gar nicht schreiben und schon gar nicht mit Fotos veröffentlichen. Erst recht nicht auf einem E-Bike-Blog wie diesem. Aber das krasse Geschehen erfordert leider eine Dokumentation.

Zuerst die gute Nachricht – zumindest für Amphibienfreunde: Grasfrosch und Erdkröte haben dieses Frühjahr die größte Menge an Laich im Badeplatz Aschau abgelegt, die ich in den letzten neuen Jahren gesehen habe. Die Grasfrösche begannen schon Ende Februar mit dem Laichen. Die Erdkröten erst Anfang April. Aber: Die Mengen waren bei beiden Tieren enorm. Ich schätze, es waren über 80 Ballen beim Grasfrosch und über 100 Schnüre von Erdkröten. Vor fünf Jahren war es eher die Hälfte.

Bereits im März fiel mir allerdings auf, dass ich fast nie adulte Grasfrösche im Wasser fand. Das war unüblich, da sie sich sonst meist am „Süd-Ost-Ufer“ sammeln und mehrere Tage nacheinander dort „herumknurren“. Man sah also nur den Laich, was ja für die Fortpflanzung die eigentlich wichtige Information ist. Zwar hatte ich auch schon im März einige merkwürdig weiß gefärbte Kadaver toter Grasfrösche gesehen, dies aber für den „üblichen Verlust“ gehalten, der jedes Jahr zu beobachten ist.

Auch als ich Anfang April weitere Kadaver fand, diesmal am „Nord-West-Ufer“, an dem in der Regel die Erdkröten laichen, wurde ich schon skeptischer. Zwar waren da schon viele Laichschnüre zu sehen. Aber eben auch tote Tiere. Oft „halb angebissen“. Nicht selten „ausgeschält“. Was verbleibt ist sind Hüllen, z.T. mit Gesicht und allen Gliedmaßen, die wie „Geisterkröten“ aussehen.

Zuerst dachte ich, es könnte ein Marder gewesen sein. Wenn ich jetzt diesen Beitrag schreibe, weiß ich es allerdings besser: Denn nach über 100 toten adulten Erdkröten ist klar, dass hier wohl ein Waschbär oder mehrere Waschbären ihr Unwesen getrieben haben.

Dass die Erdkröten auf der Speisekarte von Waschbären stehen, ist nicht neu: Schon 2017 las ich Artikel wie diesen hier. Neu war für mich aber, dass sie bereits den Chiemgau erreicht haben – und nun sogar Aschau.

Was ist die Konsequenz? Für die hiesigen Grasfrösche und Erdkröten ist das keine gute Nachricht … Ich schätze, dass dieses Frühjahr wenigstens 1/3 aller adulten Tiere, die im Badeplatz Aschau gelaicht haben, getötet wurden. Vielleicht sogar die Hälfte, wenn man von einem Bestand von etwa 300 Erdkröten ausgeht. Ich habe jedenfalls bei 130 hellen Häuten aufgehört zu zählen. Und die Grasfrösche? Hier könnte es ähnlich dramatisch sein, allerdings mit einem Unterschied: Hier verbleiben keine für Waschbären ungenießbaren Häute … Bei Grasfröschen kommt es zur „Vollverwertung“, was das Abschätzen deutlich erschwert.

Wie oft hält eine Population so ein Massaker aus? Nächstes Frühjahr wissen wir mehr, denn die Zahl der Laichballen und Laichschnüre ist auch ein Indiz für die Größe der Population. Ich wage besser mal keine Prognose … Dafür anbei einige Bilder, die von Anfang bis Mitte April erstellt wurden und das Ausmaß erahnen lassen. Darunter viele „leere Hüllen“, aber auch Bilder von Tieren, die zwar lebendig aussehen, aber so „angeknabbert“ wurden, dass sie an den Verletzungen verstorben sind.

Über Doktor E-Bike

Klicke auf das Bild, um mehr über die Ziele und die ungewöhnliche Geschichte von Doktor eBike zu erfahren.