HomeTagebuchDarauf einen Chateau Clarke Edmond de Rothschild 1996

Darauf einen Chateau Clarke Edmond de Rothschild 1996

Der nächste Krankenhausaufenthalt rückt näher – und das E-Bike bald in weite Ferne. Daher gönnte ich mir heute vor der abendlichen Radtour ein Glaserl Wein – aber nicht irgendeinen: Es war ein „Chateau Clarke Baron Edmond de Rothschild 1996“. Ich erwarb ihn in der vermutlich „edelsten Pommesbude im Chiemgau“. 

Erlebnis:

Erlebnisse & Learnings

Heute wollten meine Frau und ich endlich einmal wieder „auswärts Essen“ gehen. In Zeiten von Corona sieht das allerdings so aus, dass man sich irgendwo etwas Gutes zu Essen kauft und dann doch wieder daheim ißt. So auch gestern Abend. Diesmal gab es allerdings etwas besonderes: Wir holten Essen in der edelsten „Pommesbude“ im Chiemgau. Und die findet man aktuell in Bernau am Chiemsee, direkt am Straßenrand.

Wir wären wohl von selbst nie auf die Idee gekommen, dort etwas zu kaufen, wenn unsere Tochter nicht den Tipp gegeben hätte: Hinter dem fraglos wenig edlen Äußeren dieser mobilen „Pommesbude“ verbirgt sich der neue Betreiber und offenbar auch Koch des „Landgasthof Hittenkirchen“ (die alten Betreiber sind nach Aschau umgezogen). Was hier geboten wird? Erlesenste Spezialitäten und ein hochwertiges Weinangebot. Daher ließ ich es mir nicht nehmen, ganz spontan eine Flasche 25-Jahre alten „Chateau Clarke Baron Edmond de Rothschild, Jahrgang 1996″ zum äußerstwohl schmeckenden Roastbeef und den ebenfalls sehr edlen „Bio-Fritten“ zu kaufen.

Bewundernswerte Leistung des Gastronomen 

Ich tendiere eigentlich nicht dazu, spontan 50€-Weine zu kaufen, die ich vorher noch nie probiert habe. Aber: Hier geht es nicht allein um den Wein und seine Qualität. Hier geht es auch darum, sowohl die Kreativität als auch die Energie des Gastronomen zu beachten: Kaum hatte er den Gasthof Hittenkirchen übernommen, kam auch schon der Lockdown. Wir waren in dieser Zeit schon einmal dort und haben hervorragend gegessen. Man stelle sich die Situation vor: Gerade das Restaurant wenige Monate nue eröffnet, dann wieder schließen. Was tun?

Die Idee, eine wenig schmeichelhaft aussehende mobile Küche zu chartern, um damit in verkehrsgünstiger Lage hochwertiges Essen und Weine anzubieten, ist bewundernswert! Daher darf man hier ohne Zögern auch Weine kaufen, die man sonst vermutlich nicht kaufen würde. Somit schließt sich für mich auch ein innerer Kreis zum E-Bike: Ich werde am Montag wieder ins Krankenhaus gehen und danach für viele Wochen nicht mehr E-Biken können. Ein Grund zur Freude? Nein! Ein Grund, sich zu grämen?

Bis gestern dachte ich noch, dass das so ist. Wenn ich jedoch sehe, was andere in schwieriger Situation ohne jedes Jammern auf die Beine stellen und sogar noch Esprit und Elan ausstrahlen: Dann definitiv nicht! Derart gestärkt freue ich  mich jetzt vielmehr auf andere Abenteuer, auch wenn sie nicht im dem E-Bike zu tun haben. Ich mache jetzt meine eigene „gedankliche Pommesbude“ auf – aber eine mit „edlen Weinen“, „köstlichen Spezialitäten“ und guter Laune!

p.s.: Später am Abend bin ich tatsächlich nochmal aufs E-Bike, denn ich hatte nicht mehr als ein 1/8 l getrunken. Heute Abend findet sich dadurch wieder eine neue Gelegenheit, den edlen Tropfen zu leeren! Zusammen mit einem ordentlichen Rinder-Filetsteak, das bereits im Kühlschrank liegt – mjam!

Edler Wein und edle Speisen in einer Pommesbude, die auch in Duisburg am Hafen hätte stehen können (zumindest äußerlich). Dass es sich nicht wirklich um eine solche handelt, erkennt man am wenig kunstvoll gesprühten „Hittenkirchen“ am oberen Rand des Wagens, aber vor allem am edlen Inhalt. Respekt! Am Ende: Das Bilderbuch-Steak von heute mit einem Schluck Wein von gestern. Der Rest des Weins wird den Abend nicht überleben …