HomeTagebuchFast bis zur Hofbauernalm. Dann hieß es: „Rien ne va plus!“

Fast bis zur Hofbauernalm. Dann hieß es: „Rien ne va plus!“

Die allerletzte Bergtour für die nächsten Monate sollte eine besondere sein: Das Ziel war die von mir heiß geliebt Hofbauernalm. Aber: Es galt schon im Klausgraben, erhebliche Widerstände zu überwinden. 500m vor der Alm hieß es zudem: Rien ne va plus!

Berg-Tour; Datum: 11. April 2021; Distanz: 18,72 km; Fahrtzeit: 1,46 Std; Akku (Start/Ende): 100%/56%; E-Bike: KTML LFC 271; Motor: Performance CX/85 NM; Display: Bosch Nyon

Schwierigkeit:

Erlebniswert:

Empfehlung*:

Höhenprofil:

Route:

Link: https://goo.gl/maps/sTBVZww5NgEAt8HP7
Die abgebildete Karte von google Maps gibt aus technischen Gründen nur die ungefähre Strecke bzw. Ausschnitte der Strecke wieder. 

Erlebnisse & Learnings

Die Tour zur Hofbauernalm verdeutlicht mir noch einmal intensiv, warum ich diesen Blog schreibe: Weil ich im März 2020 eine schwere Operation hatte, und mir das E-Bike ab dem Sommer 2020 sehr dabei geholfen hat, wieder ein gesunder und abenteuerlustiger Mensch zu werden! Ich wollte und will mich an all die tollen Erlebnisse erinnern, die ich gehabt habe. Vor allem dann, wenn ich – wie heute – wieder im Krankenhaus liege und nach einer weiteren OP für gute drei bis vier Monate keine größeren E-Bike-Touren mehr machen darf.

Während ich diesen Text schreibe, liege ich im Bett in einem Einzelzimmer auf der Intensivstation des Priener RoMed-Krankenhauses (echter Luxus, denn ich bin nicht privat versichert …), und ich freue mich sehr, diese wirklich allerletzte Bergtour für längere Zeit bereits kurz nach der OP rekapitulieren zu können! Es war – soviel ist sicher – eine der vermutlich anstrengendsten Touren an die ich mich erinnern kann, denn es galt viele Hindernisse zu überwinden! Dabei fing alles recht gut an: Im Klausgraben lag zu Anfang kaum Schnee. Zudem wußte ich, dass die Strecke auf der Sonnenseite liegt – man durfte daher hoffen, bis ganz nach oben zur Hofbauernalm durchzukommen.

Die erste Überraschung kam jedoch kurz nach dem Wasserfall: Durch mehrere Lawinenabgänge war der Weg immer wieder für E-Biker wie mich nahezu unpassierbar geworden. Aber selbst diese 5-10 Hindernisse überwand ich mit eisernem Willen. Ich wollte einfach bis nach oben – komme was wolle! Doch auch weiter oben wurde der grundsätzlich nahezu  schneefreie Weg immer wieder von 3-10m langen Schneebrettern verschüttet. Den angetauten Schnee zu überwinden war immer wieder aufs Neue eine Herausforderung.

Im obersten Drittel wurde es dann sogar richtig anspruchsvoll, da der Weg ab etwa 1.150 Höhenmetern nahezu durchweg mit Schneematsch bedeckt war. Schneematsch wiederum ist wirklich das unangenehmste, was man im Winter mit dem E-Bike befahren kann. Trotzdem quälte ich mich bis auf 1.300m Höhe durch. Dann allerdings war endgültig Schluss. Ich setzte mich auf den Waldboden, trank etwas Tee, aß ein paar Wienerchen und genoß die Sonne.

Die Bilder lassen allenfalls ahnen, welche Hindernisse bis kurz unterhalb der Hofbauernalm zu überwinden waren. Insbesondere die vielen kleinen und mittleren Schneeberge, die von Lawinen stammten, hatten es in sich. Ganz oben wurde der Weg dann immer unbefahrbarer. Etwa 500m vor der Hofbauernalm war dann endgültig Schluss – mit dem E-Bike ging hier definitiv nichts mehr.

Ein echter Kraftakt!

Nun könnte man denken: Ziel verfehlt! Ich habe es nicht bis zur Hofbauernalm geschafft. Tatsächlich ist es aber genau umgekehrt: Ich habe alle überwindbaren Hürden genommen, um bis auf 1.300m Höhe zu kommen. Das war nicht nur ein echter Kraftakt – es war eine in meiner Erinnerung einmalige Leistung, denn davor hätte es schon gut ein dutzend guter Gründe zum Umkehren gegeben – ich fuhr (oder schob) weiter.

Wenn ich also jetzt im Krankenhaus diesen Text schreibe, dann genau aus diesem Grund: Es wird Monate dauern, bis ich wieder solche Abenteuer live erleben kann. Aber: Die Zeit wird vergehen, dann werde ich wieder ähnliche Touren machen, und bis dahin lebe ich von den „Konserven“ all der Fahrten, die ich auf  Doktor-eBike dokumentiert habe!

*Achtung: Diese Strecke ist bei derartigen Bedingungen kaum zu empfehlen!

Die beiden Videos von der Abfahrt vermitteln auch mir nachträglich nochmal ganz gut, welche Leistung es gewesen ist, überhaupt bis dort oben zu kommen: Weiter oben (Teil 1) war es der Schneematsch, der die Auffahrt erheblich erschwert hat, unten (Teil 2) waren es kleinere Lawinen, über die man das 26kg schwere KTM 271 LFC erst einmal wuchten muss.