HomeE-BIKETestbericht – Alpensattel 3.0: Mangelhaft

Testbericht – Alpensattel 3.0: Mangelhaft

Seit Tagen wird mir im Internet ein ominöser Testbericht als Werbung vorgeschlagen. Dabei geht der Alpensattel 3.0 als Testsieger hervor. Mein Testbericht fällt deutlich schlechter aus. Mein Urteil: Mangelhaft! Der Testbericht auf radfahren-heute ist auch aus anderen Gründen unseriös – er verstößt als vergleichende Werbung mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen das UWG.

Gesamtergebnis: 1 von 5 Sternen = mangelhaft

Zunächst zur Vorgeschichte des vorliegenden Testberichts: 2023 brach während der Fahrt bei meinem damals drei Jahre alten, ansonsten sehr guten Selle Royal EVO Sattel eine Stange der Halterung. Das war nicht nur ärgerlich, sondern auch potenziell gefährlich. Reparatur? Nicht möglich! Zunächst montierte ich als Ersatz den Sattel meines KTM-Life auf mein E-Bike.

Zwei Vorgänger gingen kaputt

Zwei Jahre später brach dann auch die Halterung des Ersatz-Sattels  – vermutlich weil ich mit meinem schlecht gefederten SUV einfach zu krass durchs Gelände fahre (und mein Gewicht immer wieder mit Wucht auf dem Sattel landet). Derlei Schäden muss ich in Kauf nehmen – den Hersteller kann man dafür kaum kritisieren.

Am Ostermontag geht einfach so der Sattel kaputt

Schließlich kaufte ich mir am 21. Mai 2025 im Internet einen neuen Sattel – einen Alpensattel 3.0 (siehe Bild unten). Und der war schon im April 2026 flächendeckend brüchig. Mittlerweile ist er kaum mehr nutzbar. Die gesamte Sitzoberfläche bricht auseinander.

Unseriöse Vergleichstest-Kampagne

Als wäre das nicht ärgerlich genug, läuft nun sei Wochen im Internet eine Kampagne, die ausgerechnet diesen minderwertigen Sattel über alle Maßen lobpreist. Ein PDF der Kampagnenseite von radfahrer-heute.de findet sich auch anbei als Anhang. Dahinter steht die „Fly fulfillment GmbH“. Dazu gleich mehr – ist sie doch laut Impressum rein zufällig auch Inhaber der Marke „Alpensattel“.

Was soll ich lange über den Alpensattel schreiben, wenn der bloße Blick auf die nachfolgenden Bilder alles sagt:

  • Nach einem Jahr ist der Sattel aufgrund der gestanzten linienartigen Perforierung bereits komplett durchgewetzt.
  • Hier ist das Material so dünn und empfindlich, dass es entlang dieser Linien zu Reibung kommt und das Material zerbröselt.
  • Die Bilder zeigen eindeutig, dass es exakt die Linien sind, die erst breiter werden, bevor sie komplett reißen.

Zum Vergleich:

  • Beim ebenfalls von radfahren-heute getesteten Selle-Royal-Sattel brach nach drei Jahren intensivster Nutzung die Stange der Halterung.
  • Die Sitzfläche war und ist hingegen höchster Beanspruchung noch in einem absolut Top-Zustand verblieben.
  • Der Bezug des Alpensattels 3.0 ist also nach nur einem Drittel der Zeit bei gleicher Beanspruchung vollständig kaputt!

Alpensattel 3.0: Nicht zu empfehlen!

Die ersten vier/fünf Monate schien der Alpensattel gar nicht so schlecht. Heute ist jedoch klipp und klar:

  • Es ist ein Sattel, der einfach nicht lange hält … und das, obwohl er im Vergleich zu den Vorgängern auf keinen Fall qualitativ besser gewesen wäre.
  • Und wenn ein Produkt nach nicht einmal einem Jahr an genau den Stellen kaputt geht, an denen  (aus meiner Sicht nutzlose) Rillen in die Sitzfläche eingefügt werden, dann erinnert das an geplante Obsoleszenz.
  • Umgerechnet in Geld kostet ein Alpensattel 3.0 somit 3x so viel wie die von radfahren-heute mitgetesteten und als schlechter bewerteten Konkurrenzprodukt – allein aufgrund des hohen Verschleißfaktors.

Die Kriterien im Test (s.u. als Bild) sind irreführend – und bzgl. „Langzeit“ und „Stabilität“ m.E. an der Grenze zur Lüge. Erst recht im Vergleich mit dem Selle Royal, den ich hier im direkten Vergleich weit vorne sehen würde (selbst wenn die Stange gebrochen ist).

Daher das Urteil: Mangelhaft!

Die laufende Kampagne unter der URL radfahren-heute darf aus mehreren Gründen kritisch gesehen werden:

  • Die Seite hat offenbar gar keine Homepage …
  • Es ist laut Kampagne eine Kampagne des Testsiegers …
  • Und zum Sattel selbst habe ich ja schon alles gesagt ..

Da die Kampagne nicht leicht zu finden ist, habe ich Screenshots beigefügt. Offiziell wurde der Test von „Thomas Keller – einem Sportwissenschaftler & Bikefitter“ durchgeführt. Dabei wird durch das Fehlen einer Homepage geschickt verdeckt, dass die Kampagnenseite laut Impressum vom Testsieger selbst stammt … weshalb „Thomas Keller“ kaum als Herausgeber dient. Zumal am unteren Ende nur der Testsieger Alpensattel 3.0 kostenlos verprobt werden kann … Interessant ist auch der Hinweis „© 2026 radfahren-heute.de · Alle Angaben ohne Gewähr.“

Wenn jemand seinen eigenen Sattel mit einem eigenen Testvergleich als Testsieger nach Kriterien bewirbt, die er selbst bestimmt … dann ist das ohne Frage „nicht sehr seriös“. Und:

Verstoß gegen vergleichende Werbung

Mehr noch: Als Jurist erlaube ich mir den Hinweis, dass die Aktion der Fly fulfillment GmbH, die den Alpensattel vertreibt und die Kampagne gelauncht hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gegen § 6 UWG – dem Verbot vergleichender Werbung verstößt, denn hinter radfahrer-heute.de stehen die Akteure von Alpensattel:

  • Der Test stammt somit von dem Hersteller, der sein eigenes Produkt ohne objektiv prüfbare Kriterien zum Testsieger kürt.
  • Die Testkriterien sind zudem vergleichend, kaum konkretisiert und ungeeignet, vermutlich sogar falsch.

Sicher ist: Ich muss mir jetzt nach einem Jahr wieder einen neuen Sattel kaufen. Der Alpensattel 3.0 wird es garantiert nicht! Vor dem Kauf dieses Produkts kann und möchte ich aus eigener schlechter Erfahrung heraus sogar warnen. Anders als beim Stangenbruch (s.o.) ist das Materialversagen hier eindeutig dem Hersteller anzulasten.

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