HomeE-BIKEVideotippWie leichtsinnig ist E-Biken im Winter? Teil 2

Wie leichtsinnig ist E-Biken im Winter? Teil 2

Im ersten Teil ging es um Grundfragen des E-Bikens im Winter: Sollte man überhaupt im Winter das E-Bike nutzen? Falls ja: Wie sollte man es tun? Im zweiten Teil geht es um kritische Erfahrungen und Grenzsituationen.

Die These des ersten Teils lautete sinngemäß: E-Biken in Winter ist gefährlich, aber wenn man bestimmte Dinge beachtet, ist es nur bedingt gefährlicher wie vieles andere im Winter – z.B. wenn man im Schnee zu Fuß unterwegs ist, aber keine Wintersolen hat. Im zweiten Teil wird diese These nicht wirklich relativiert, aber sie wird anhand von Grenzfällen auf die Probe gestellt.

Einige der Beispiele habe ich selbst erlebt, ja vermutlich sogar ein wenig provoziert. Nicht immer mit optimalem Ende. So habe ich im Januar auf zwei mir gut bekannnten Touren einen „Touchdown“ erlebt. Beim ersten Mal kam ich mit dem Schrecken davon, beim zweiten Mal habe ich mich verletzt, auch im Gesicht. Soviel vorab: Das Ganze hat meine Einstellung zu Thema „Abenteuer im Winter mit dem E-Bike“ leicht verändert. Kaum verändert hat sich jedoch meine Einstellung zum Thema „normale Nutzung des E-Bikes im Winter“.

Im Kern wirft das Erlebte für ein Internet-Angebot mit dem Titel „Doktor E-Bike“ die Frage auf, die sich auch echte Ärzte regelmäßig stellen müssen bzw. die ihnen regelmäßig gestellt wird:

  • Dürfen Ärzte rauchen, wenn sie ihren Patienten gegenüber das Rauchen als gesundheitsschädlich darstellen?
  • Dürfen Mediziner Alkohol trinken, wenn sie ihre Patienten vor dem Gefahrenpotenzial warnen?
  • Dürfen fachliche Ratgeber ganz generell in eigener Sache unvernünftiger sein wie ihre eigenen Ratschläge?
  • Darf ein Angebot „Doktor eBike“ heißen und Sicherheits-Tipps geben, an die man sich (vermeintlich) nicht hält?

Die Antworten nach den Videos!

Meine Meinung

Wer kennt das nicht: Jemand gibt einem einen guten Ratschlag, hält sich aber selbst nicht wirklich dran … Glaubwürdig ist das nicht unbedingt. Andererseits ist ein Arzt, der auf einer Geburtstagsfeier etwas über den Durst hinaus trinkt, noch lange kein Alkoholiker – vielleicht sogar ein geselliger Mensch, der nicht auf einem erhöhten Sockel steht, wenn er gute Ratschläge im Hinblick auf Alkoholkonsum gibt. Immerhin weiß er, wovon er spricht – und das ist vielleicht auch das Thema hier: Gefährliche Situationen zu beurteilen ist oft nur dann möglich, wenn man auch kritische Situationen erlebt hat und aus eigenem Erleben einschätzen kann.

Dies sind meine diesbezüglichen Erfahrungen:

  • Ich fahre regelmäßig meine Stammstrecke im Winter – auch bei 20cm Schnee und mehr (soweit es möglich ist).
  • Das mache ich tags, aber auch nachts – was für manche Person befremdlich wirkt.
  • Schlittenbahnen fahre ich ohne Spikes bergauf und bergab – auch das findet nicht jeder gut.

Wie man in einem der vorherigen Videos sieht, hatte ich bei über 50 anspruchsvollen Fahrten zumindest einmal richtig „Bodenkontakt“ – und dies war, nachdem ich den ersten Teil dieses Beitrags bereits geschrieben hatte (siehe Link am Ende). Ein wenig Blut im Gesicht war die Folge, denn ich fiel leider nicht auf weichen Schnee, sondern (auch) auf den gefrorenen Boden darunter sowie auf das rechte Knie. Das Ganze tat kurz weh, war aber möglicherweise gefährlicher als ich anfangs wahrhaben wollte, denn trotz Helm hätte zumindest das Kinn einigen Schaden nehmen können.

Und jetzt?! Höre ich deshalb künftig auf, mich im Winter (oder ganz egal wann) mit meinem E-Bike in Grenzbereiche zu begeben? Jein. Auf der einen Seite habe ich gemerkt, dass ich zügig die passive Sicherheit erhöhen muss: Sobald der Lockdown vorbei ist, kaufe ich einen Enduro-Helm mit Full-Face-Schutz sowie Arm- und Beinschützer. Wirklich ändern werde ich meine experimentelle Fahrfreude vermutlich kaum, denn es gibt einen Wert des Ganzen, der vielen nicht als Wert erscheint: Es ist das Umgehen mit Grenzsituationen. Die Paradoxie des Ganzen: Wer keine Grenzsituationen erlebt, kann den Umgang mit ihnen nicht üben. Wer sie erlebt, begibt sich ins Risiko.

Interessant ist hier auch der Vergleich mit der Problematik der Entgeltfortzahlung bei Sportunfällen: Diese kann verweigert werden, wenn ein Sport deutlich über die eigenen Fähigkeiten hinaus ausgeübt wird. Schuldhaft handelt ein Freizeitsportler folglich immer nur dann, wenn er sich deutlich über seine Kräfte und Fähigkeiten hinaus sportlich betätigt.

Was heißt das nun für das E-Biken im Winter: Wie leichtsinnig ist es?

Meine Antwort: E-Biken im Winter ist (abhängig von der individuellen Fahrsicherheit, der dem Umfeld angepaßten Fahrweise und der Sicherheitsausrüstung) potenziell riskant. Aber Risiken zu erkennen und zu tolerieren, bedeutet nicht automatisch, dass man generell (grob) leichtsinnig handelt. Entscheidend ist und bleibt der Einzelfall. Geübte Fahrer können folglich auch höhere Risiken eingehen als ungeübte. Ich bin bezüglich Winterfahrten mit dem E-Bike durchaus geübt – kleinere Krater schließt das mit ein.

 

Weiterführende Links:

Teil 1 dieses Beitrags

Sportverletzungen und Entgeltfortzahlung