HomeGesundheitAchtung! Glukose Sturzflug: Ein Vergleich von Bike und E-Bike

Achtung! Glukose Sturzflug: Ein Vergleich von Bike und E-Bike

Diabetiker aufgepaßt: Wie wirkt sich das Radeln mit Bike und E-Bike auf den Glukose-Spiegel aus? Ein Erfahrungsbericht.

Diabetes und Fahrrad

Seit knapp einem Jahr fahre ich als Diabetiker nahezu ausschließlich E-Bike. Nach meinem (Teil-)Umzug vorgestern nach Berlin fahre ich vorerst ausschließlich mit dem normalen Rad – also ohne Motor. Schon nach der zweiten Fahrt zur Arbeit wird klar, dass ich ohne E-Bike unbedingt stärker auf den Glukose-Spiegel schauen muss als bisher.

Bevor ich im Einzelnen auf die neuen Erfahrungen eingehen möchte, eine Intro zu meiner Form der Diabetes:

  • Nach einer Pankreas-Linksresektion im Frühjahr 2020 habe ich eine nur noch teilweise funktionierende Bauchspeicheldrüse.
  • Daher kommt es bei mir im Regelfall zum Problem eines zu hohen Glukose-Spiegels (Haupttendenz Diabetes Typ 2).
  • Diesen messe ich kontinuierlich mit Freestyle Libre 2.
  • Da die Bauchspeicheldrüse aber noch teilweise funktioniert, kommt es auch immer wieder zu plötzlichen Glukose-Abstürzen nach unten, vor allem dann, wenn ich mich sportlich/körperlich betätige (zusätzliche Tendenz Diabetes Typ 1).

Um es plakativ zu überzeichnen:

  • Ein zu hoher Glukose-Spiegel führt in der Regel zu Langzeitschäden.
  • Gemessen wird daher auch vor allem der HbA1c-Langzeitwert, um entsprechende Tendenzen zu ermitteln.
  • Ein zu niedriger Glukose-Spiegel verursacht u.a. die Gefahr der Hypoglykämie: Einer akuten Unterzuckerung.
  • Letztere birgt u.a. das Risiko der plötzlichen Ohnmacht mit entsprechenden Folgerisiken wie Stürzen etc.

So starb Thomas Fuchsberger der Sohn von Joachim Fuchsberger mutmaßlich an den Folgen einer akuten Unterzuckerung: Er fiel in ein Gewässer und ertrank. Jeder kann sich ausmalen, was eine akute Unterzuckerung bewirken kann, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. Sie führt nicht nur zu einem so genannten „Hungerast„. Das Ganze kann auch aufgrund von Konzentrationsschwäche etc. schnell mit einem Unfall enden.

E-Bike vs. Bike

Heute erhielt ich eine erste kleine Kostprobe diesbezüglicher Risiken: Da Regen angekündigt war, fuhr ich bereits am frühen Nachmittag zurück ins Homeoffice – also etwa vom Checkpoint Charly bis in die Friedenau. Die Strecke ist rund acht Kilometer lang. Da es sich um die Rückfahrt handelte, lag mein Glukose-Spiegel bis zum Mittagessen bei etwa 120 mg/dl. Danach kurzzeitig bei 180 mg/dl. Ich fühlte mich auch kurz vor der Abfahrt fit und wohl.

Was ich allerdings unterschätzte:

  • Obwohl Regen angekündigt war, schien während der Fahrt ununterbrochen die Sonne.
  • Meine Kleidung war für das Wetter eher zu warm.
  • So fing ich nach etwa der Hälfte unverhofft an zu schwitzen.
  • Das wiederum führt bei mir fast immer zu schnell abfallenden Glukose-Werten.

So auch heute. Etwa zwei Kilometer vor der Ankunft bemerkte ich einen schlagartigen Abfall des Blutzucker-Spiegels. Kurz vor der Haustür versuchte ich den Blutzucker zu messen: Das Freestyle Libre zeigte an, dass der Wert mit dem Sensor nicht gemessen werden könne – warum auch immer. Nach etwa 10 Minuten und nach erster Erholung funktionierte es wieder. Dafür lag der Wert bei 60 mg/dl. Gefühlt lag er davor noch deutlich darunter.

Einschätzungen

Einen derart rapiden Abfall hatte ich war auch dann und wann mit dem E-Bike erlebt. Allerdings in der Regel nur bei heftigeren (Berg-)Touren. Ohne Motor scheint ein solcher Glukose-Downturn für mich auch auf ebener Mittelstrecke viel wahrscheinlicher. Hinzu kommt, dass man sich ohne Motor nicht vom E-Bike „abliefern“ lassen kann – damit meine ich das Fahren mit Turbo und wenig Umdrehungen, dabei fährt das E-Bike quasi von selbst, ohne dass man weitere Energie verbrauchen muss.

Natürlich kann man jetzt mit einem normalen Rad immer einen Müsli-Riegel mitnehmen, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Man kann aber auch darüber nachdenken, tatsächlich ein E-Bike zu nutzen, wenn man als Diabetiker zur Arbeit und zurück etwas 15-20 km Fahrtstrecke bewältigt. Letztlich kommt es für mich in erster Linie darauf an, mich wohlzufühlen und gar nicht erst einen „Hungerast“ zu bekommen. Da mich das Ganze nach dem Mittagessen überrascht hat, ist Ernährung allein auch keine Garantie dafür, dass es nicht wieder passiert.

Wahrscheinlicher ist, dass Fahrten mit dem E-Bike die bessere Vorbeugung sind, da man hier schlicht weniger Energie verbraucht – was den Glukose-Spiegel mutmaßlich stabiler sein läßt als gut gestärkt eine Tour mit dem normalen Rad zu unternehmen.