HomeTagebuchDie Stammstrecke mal anders: Offroad mit dem Rollator

Die Stammstrecke mal anders: Offroad mit dem Rollator

Die Zeit ohne E-Bike ist hart! Aber: Heute wollte ich nach dem Abendessen zumindest mal wieder einen längeren „Spaziergang“ machen. Ich entschied mich für die Begehung der Stammstrecke mit dem Rollator. Dabei traf ich zufällig einen sehr interessanten Menschen.

Erlebnisse und Learnings

So eine Gitterbruch- bzw. Hernien-Operation ist eine langwierige Sache … man braucht Geduld. Gut dass ich die (nicht) habe. Dumm ist auch, dass Sitzen mit einer noch jungen Bauchnarbe eines der unangenehmsten Dinge ist: Besser man liegt oder man steht bzw. geht, denn z.B. bei Videokonferenzen sitzt man oft leicht nach vorne gebeugt. Dadurch drückt sich die Narbe zusammen und/oder die Bauchmanschette schnürt einem die Luft ab.

All das ist kein Grund zum Jammern, wohl aber ein Grund, sich zu bewegen! Also schnappte ich mir nach dem Abendessen erneut den Rollator (einen recht geländegängigen Topro Olympos), um zunächst ziellos umher zu stromern. Naja, in Wirklichkeit hatte ich schon ein Ziel im Hinterkopf: Die Stammstrecke für mein E-Bike. Zu Fuß bin ich sie in den letzten vier Jahren allerdings nur 2-3x gelaufen, dafür gefühlte 50x mit dem E-Bike gefahren. Heute wollte ich (dickköpfig wie ich bin) die Strecke jedoch mit dem Rollator meistern. Zumindest wollte ich wissen, wie weit ich komme.

Das Ganze klappte tatsächlich besser als erwartet. Selbst die drei steilsten Steigungen (ca. 35-40%, Länge jeweils ca. 20m) konnten mit  dem Rollator „bezwungen“ werden. Man kann sich kaum die Glücksgefühle vorstellen, die dabei entstehen. Ohne Übertreibung: Ich hatte während des gesamten Ausflugs ein Dauergrinsen im Gesicht. Das fiel wohl auch einem Spaziergänger auf, der ebenfalls die Stammstrecke entlang lief. Gemeinsam mit seinem Hund. Dass Herrchen des Hundes schaute mich anfangs etwas verwundert an, denn Rollatoren sieht man sicherlich nicht oft auf diesem Weg. Garantiert noch seltener wie (E-)Bikes.

Ein bekannter Möbel-Designer mit Hund

Die Person kannte mich nicht. Wir kamen gleichwohl aufgrund der ungewöhnlichen Umstände ins Gespräch. Wir sprachen über viele Dinge des Lebens sowie über Lebensmut und Schicksalsschläge. Ein Thema war auch das Fahrradfahren im Allgemeinen. Mein Gegenüber hatte nämlich schon die halbe Welt mit dem Fahrrad erkundet – wow! Da kann ich nicht wirklich mithalten. Im Gespräch wurde mir auch schnell klar, dass die Person kein geringerer als der in Aschau ansässige und international renommierte Möbel-Designer Nils-Holger Moormann ist. Er erzählte von seinem Leben, ebenso wie vom gerade erfolgten Generationswechsel in seiner Firma. Nun – wo er schon so viel im Leben erreicht habe – gelte es neue Dinge im Leben zu entdecken. Bei E-Bikes ist der Funke bei ihm wohl noch nicht ganz übergesprungen: Er besitzt eins, nutzt es nach eigener Aussage aber eher selten. Wieso auch nicht: Auch ich habe einige Zeit gebraucht, um das E-Bike für mich zu entdecken!

Das Gespräch war durchaus für beide Seiten interessant: Er war und ist für mich natürlich eine bekannte Größe (jeder im Chiemgau kennt in ihn und sein Unternehmen zumindest vom Namen). Für mich war der Austausch so oder so ein Highlight. Umgekehrt schien ihn mein ausgeprägter Wille und meine (trotz aller widrigen Umstände) auffallend positive Ausstrahlung zu faszinieren. Wir haben uns  am Ende lose auf seinem wunderschönen Grundstück auf einen Kaffee verabredet. Ich solle doch einfach mit dem Rollator vorbei kommen.

Es freue mich, wenn es bei Zeiten dazu kommt – immerhin zieren zwei seiner Kataloge seit Jahren unseren Flur!

Mit dem Rollator über die Stammstrecke. Eigentlich ist sie selbst mit dem E-Bike stets aufs Neue eine Herausforderung. Aber: Es klappte gut! Am Ende hatte ich ein Dauergrinsen im Gesicht – der Seele tat das Abenteuer gut! Das letzte Bild ist noch ein visueller Hinweis, wen ich auf dem Weg getroffen habe.