HomeE-BIKEFünf E-Bike-Mythen auf dem Prüfstand

Fünf E-Bike-Mythen auf dem Prüfstand

Im Internet und den Medien ranken sich viele Mythen rund um das E-Bike. Doch was ist an den Darstellungen dran? Wir möchten mehr Klarheit schaffen und räumen mit fünf geläufigen E-Bike-Mythen auf.

Die Idee zu diesem Beitrag entstand als ich einen Artikel auf flexini las. Sein vielsagender Titel lautet: „Halbwissen Adé! Wir klären die 5 häufigsten Mythen rund ums E-Bike auf.“ Zu finden ist das „Original“ hier. Die dort genannten fünf Mythen sind:

1. E-Bikes fahren nur Faule
2. Das E-Bike ist die Vorstufe zum Rollator
3. E-Bike-Fahren ist gar nicht umweltfreundlich
4. E-Bike-Fahren ist gefährlich
5. E-Bikes sind zu teuer

Da der Original-Artikel recht kurz ist, seien die dortigen Antworten erst einmal als Lektüre empfohlen. Das gilt insbesondere für eine User-Meinung in den Kommentaren, denn dort sagt „Flitze Fietz“: „Interessanter Artikel. Woher stammen denn die genannten Zahlen und Fakten? Ohne Quellenangaben bleibt es bei Halbwahrheiten.“ Dieser Anmerkung ist der vorliegende Beitrag gewidmet, denn flexini gibt bislang noch keine Antwort auf diese Frage. Im folgenden sollen daher die „fünf Mythen“ des Originals noch einmal überprüft werden – unter Beifügung von Quellenangaben. Das macht die nachfolgenden Aussagen zu den fünf Mythen zwar nicht wirklich zur echten Wahrheit, aber immerhin ist es dann eine Halbwahrheit mit Quellenangabe.

1. E-Bikes fahren nur Faule

Gibt es diesen Mythos überhaupt?

  • Leider ja: Im Internet finden sich viele verschiedene Fundstellen wie diese, in denen in zum Teil rüden Ton unterstellt wird, dass E-Biker*innen faul wären: so z.B. der Kommentar von Luchs 7″.

Trifft der Mythos zu?

  • Ganz sicher nicht, denn dann wären auch die E-Bike-Profis der E-Bike-Enduro one „faul“, was ganz sicher nicht zutrifft. Mehr zur E-Bike-Enduro one u.a. hier.
  • Was den im Original-Beitrag erwähnten Kalorienverbrauch angeht, so gibt es unterschiedliche Quellen: Bosch bestätigt die 300 Kalorien/h. Wer einen Nyon-Boardcomputer hat, wird feststellen, dass dieser Verbrauch massiv darüber liegen kann (vorausgesetzt, dass Bosch selbst richtig rechnet).
  • Belegt wird das Ganze übrigens auch von einer Studie mit mehr als 10.000 Nutzern. Danach ist der wöchentliche ist Stoffwechselumsatz (Metabolisches Äquivalent) von E-Bike-Fahrern und Fahrradfahrern vergleichbar (4.463 vs. 4085).
  • Ich setze noch eins oben drauf: Seit ich ein E-Bike habe, fahre ich monatlich mehr als 300km vorher keine 50.

Fazit: Das E-Bike fahren definitiv nicht nur Faule!

2. Das E-Bike ist die Vorstufe zum Rollator

Gibt es diesen Mythos überhaupt?

  • Ehrlich gesagt bin ich mir da nicht sicher. Dieser Satz scheint mir zu überspitzt und „herbeigeredet“.
  • Eigentlich meint der Autor auch etwas anderes, denn er will sagen: E-Bikes sind nur etwas für Rentner. Dieses Vorurteil gibt es tatsächlich!
  • Was das allerdings mit einem Rollator zu tun haben soll, ist fraglich. Woher kommt also dieser Mythos?
  • Die einfachste Antwort sind offizielle Statistiken: Dazu auch dieser Artikel auf Doktor eBike, danach gehen viele Studien davon aus, dass die meisten Nutzer über 55 sind.

Trifft der Mythos zu?

  • Die verschiedenen Studien zur Nutzung von E-Bikes sind widersprüchlich: Einige sagen, dass die meisten Nutzer überdurchschnittlich alt sind.
  • insbesondere die neueren Studien z.B. von Fahrrad XXL danach wächst die Zahl der jüngeren Nutzer massiv an.

Fazit: An dem Mythos ist sicherlich (noch) etwas Wahres dran, aber nicht mehr lange.

3. E-Bike-Fahren ist gar nicht umweltfreundlich

Gibt es diesen Mythos überhaupt?

  • Ja, denn viele Diskussionen rund um die Nachhaltigkeit haben grds. mit dem Prinzip des Akkus zu tun.
  • Sachliche Fundstellen dazu sind u.a. der Westfalenspiegel, DIE ZEIT und GEO.

Trifft der Mythos zu?

  • Es kommt darauf an, mit was man unter Nachhaltigkeit versteht.
  • Die Nachhaltigkeitsstudie von hepster hat zum Beispiel einen weiten Nachhaltigkeitsbegriff, der Herstellungsbedingungen mit umfaßt.
  • Je mehr Faktoren man einbezieht, die sich nicht auf den Akku beziehen, desto umweltfreundlicher erscheint das E-Bike.

Fazit: Dem E-Bike die Umweltfreundlichkeit abzusprechen ist schwierig, sie zu betonen bleibt problematisch.

4. E-Bike-Fahren ist gefährlich

Gibt es diesen Mythos überhaupt?

  • Kurz und knapp: Ja!
  • Es ist nicht zuletzt die Folge vieler Medienberichte, die dies regelmäßig betonen und dabei auf Statistiken verweisen.

Trifft der Mythos zu?

  • Es gibt widersprüchliche Statistiken: Einige betonen, dass es keine signifikant höheren Unfälle mit Pedelecs gibt, u.a. diese Untersuchung aus den Niederlanden.
  • Andere Statistiken scheinen die Gefahr zu belegen, darunter diese vom Ärzteblatt und diese von der Allianz.
  • Die unterschiedlichen Statistiken könnten auf das Land zurückzuführen sein in dem sie entstanden: So ist es in den Niederlanden einerseits weniger bergig und evtl. sind die E-Biker dort auch insgesamt erfahrener.

Fazit: Leider kein in dubio pro reo in diesem Fall – im Zweifel ist es wohl so wie viele Statistiken besagen – das E-Bike ist gefährlicher als manche Alternative.

5. E-Bikes sind zu teuer

Gibt es diesen Mythos überhaupt?

  • Auch hier keine Frage: Diesbezüglich gibt es viele Beschwerden – sicherlich nicht ganz zu unrecht.
  • Beispiele für entsprechende Vorwürfe sind Artikel wie xxx oder yyy.

Trifft der Mythos zu?

  • Beim E-Bike ist zwischen absoluten und relativen Kosten zu trennen:
  • Die Kosten von Anschaffung plus Unterhalt für ein/zwei Jahre kann mehrere tausend Euro betragen – das ist absolut gesehen viel Geld.
  • Rechnet man die Kosten auf die Nutzung herunter, ergibt sich schnell ein anderes Bild. Meine Persönliche Rechung lautet wie folgt: Mein KTM Life hat als klassisches Rad 1.000€ gekostet. Damit bin ich in 4 Jahren weniger als 700 km gefahren. Meist im Flachland. Reparaturkosten hatte ich kaum. Mein KTM LFC 271 hat dagegen rund 3.500€ gekostet und in mehreren Monaten sind schon einige Reparaturkosten angefallen (> 150€). Die Extras wie ein Nyon-Boardcomputer schlagen inkl. Installation nochmal mit 450€ zu Buche usw. Dafür bin ich im Gegenzug in fünf Monaten bereits knapp 2.500 km gefahren. Ein Kilometerpreis auf zwei Jahre inkl. Verschleiß kalkuliert wäre beim normalen Rad 2,85 € (1.000 €/350km) beim E-Bike 0,45 € (4.500 €/10.000km).

Fazit: Das E-Bike ist sogar deutlich billiger als das herkömmliche Rad – wenn man es wirklich nutzt. Und unbezahlbar sind für mich die vielen tollen Erlebnisse, die ich mit dem normalen Rad (leider) nicht gehabt hätte.