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Zum Schwarzstorch bei strömendem Regen

Schwarzstörche sind nicht nur selten, sondern auch sehr scheu. Man entdeckt den Schwarzstorch oft nur mit Glück – und heute hatte ich es!

Erlebnisse & Learnings

Gestern Adler bei strahlendem Sonnenschein. Heute Schwarzstorch-Sichtung in strömenden Regen. Dazwischen keine 20 Stunden und keine 5 Kilometer Entfernung! Hier rund um Aschau im Chiemgau ist das möglich. Nicht zuletzt dann, wenn man (wie ich) viel mit dem E-Bike unterwegs ist.

Dass es heute zur Sichtung des sehr scheuen Schwarzstorch kam, war allerdings zufällig. Zunächst war es aufgrund des Regens wenig attraktiv in die Berge zu fahren. Daher entschied ich mich spontan für eine Fahrt entlang der nördlichen Prien. Dabei entdeckte ich auf Höhe der Brücke nahe der Kapelle zwischen Aschau und Frasdorf, dass auf beim ansonsten kaum befahrbaren, weil stark zugewucherten westlichen Uferwall der Prien ordentlich abgeholzt wurde.

Daher fuhr ich diese Seite des Walls soweit es ging Richtung Frasdorf bzw. Umratshausen. Etwa 1.000 m weit kam ich voran. Dann war auch hier trotz aller Abholzung Schluss. Am Ende des Weges traf ich auf eine Stelle, die offenbar als Grillplatz genutzt wird – jedenfalls war eine Feuerstelle erkennbar. Um sie herum Baumstämme, die wie Bänke um die Feuerstelle herum gruppiert wurden.

In diesem Moment dachte ich noch nicht einmal an den Schwarzstorch. Ich war einfach neugierig, wie das große Feuchtgebiet zwischen der Staatsstraße 2093 und dem westlichen Priendamm im Frühjahr aussieht. Dabei stieß ich zuerst auf den Ahgraben, der Bach, der die gesamte Biotop-Fläche mit ordentlich Wasser versorgt. Von der Prien kommt das Wasser jedenfalls nicht, denn das verhindert der Wall, der es ermöglicht, dass Prien und Abgraben einige hundert Meter parallel fließen bzw. verhindert, dass sie vorher zusammenfließen. Von weitem erkannte ich mehrere künstliche Nistplätze auf Stelzen, ohne zu wissen, für welche Tiere bzw. Vogelarten sie gedacht sind. Vermutlich für Gänse oder Enten? Keine Ahnung!

Als ich dann so beim Herumstöbern war, sah ich plötzlich, womit ich nicht gerechnet hatte: Einen Schwarzstorch der von Norden kommend im Tiefflug über das Feuchtbiotop flog. Da ich hier schon mehrfach Schwarzstörche im Flug gesehen habe, war ich in Sekundenbruchteilen sicher und hatte nur noch ein Ziel, nämlich möglichst schnell das iPhone aus der Regenjacke zu holen, um ihn zu fotografieren bzw. zu filmen. Das aber gelang aufgrund des Überraschungsmoments leider nicht so gut wie erhofft: Das iPhone war durch den Regen auf der Oberfläche etwas feucht. Meine Finger auch. Der Sensor reagierte daher nicht. Die Kamera wollte einfach nicht öffnen. Daher musste ich erst den Code eingeben, um die Kamera zu starten. Das dauerte … Als ich sie dann endlich aktiviert hatte war der Schwarzstorch schon weit weg Richtung Kampenwand geflogen. Ich habe ihn tatsächlich auch noch  fotografieren können (13. Bild), aber erkennen tut man definitiv nichts – dafür ist die Entfernung zu groß gewesen und zudem waren zu viele Äste im Weg.

Wie auch immer, ich freute mich trotzdem wie ein Schnitzel, denn ich hatte schon immer die These, dass der Schwarzstorch hier brütet. Und warum? Weil er jedesmal, wenn ich ihn hier irgendwo in der Nähe sehe, in genau dieses Gebiet am Ahgraben hineinfliegt. Zudem entsprechen die Biotopansprüche des Schwarzstorchs genau den gegebenen Verhältnissen, denn er benötigt eine Kombi aus Wald und Wasser. Beides gibt es hier genug!

Auf der Rückfahrt kam ich übrigens noch an sechs Graugänsen und einem Silberreiher vorbei, die auf einer Wiesenfläche entlang des Ahgraben weiter südlich nach irgendetwas Essbarem suchten. Akustisch untermalt wurde das Ganze vom Rufen eines Kuckucks, der sich östlich der Prien in der Nähe des Schafelbachs aufhielt.

Mit dem E-Bike, so die Erkenntnis des Tages, kann man auch bei strömendem Regen spannende Sachen unternehmen – die passende Kleidung und etwas Glück (wie heute) vorausgesetzt. Noch besser ist es, wenn man dann zuhause Ende April noch eine warme Heizung laufen hat, die die ausgekühlten Finger ein wenig aufzutauen hilft.

Die Fahrt hinauf zur Hofbauernalm. Oben gabs den ersten Adler zu sehen – kaum zu erkennen als Mini-Punkt im siebten Bild kurz über den Tannen. Im Tal noch einen weiteren dazu. Die beiden im Tal hätte ich aber ohne den Bernauer Adlerexperten nicht entdeckt. Im elften Bild sind die Adler gar nicht zu erkennen. Das iPhone ist für solche Bilder eben kaum geeignet. Aber: Es müssten tatsächlich irgendwo zwei Punkte zu sehen sein – aber wo?