HomeGesundheitNach OP, Thrombose und Embolie: Mit dem E-Bike schonend bergauf!

Nach OP, Thrombose und Embolie: Mit dem E-Bike schonend bergauf!

Das E-Bike ist ideal, um nach Krankheiten wieder „auf Trab“ zu kommen. Das gilt auch beim Problemfällen: Zum Beispiel der Kombination mehrerer Krankheiten mit unterschiedlichen Therapie-Zielen. So beim Zusammenfallen von Operation, Thrombose, Embolien und Diabetes.

Chancenpotenzial:
Risikopotenzial:
Prävention:
Stabilisation:
Heilung:

Überblick:

Bei Operationen kann es zu Komplikationen kommen: Patienten können z.B. eine Thrombose und sogar eine Lungenembolie bekommen. Postoperativ kann dies zu unterschiedlichen Therapiezielen führen: So ist aufgrund der Thrombose viel Bewegung angesagt. Die Operation kann es indessen erfordern, dass möglich wenig Kraftanstrengung erfolgt. Das E-Bike hilft, entsprechende Zielkonflikte zu lösen.

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass! Zielkonflikte sind nach Operationen nicht selten. Z.B. dann, wenn einerseits viel Bewegung erforderlich ist, andererseits aber Anstrengungen vermieden werden sollen. Das E-Bike kann in solchen Situationen eine wichtige Hilfe sein, um Zielkonflikte bei der Therapie zu lösen.

Im konkreten Fall trafen mehrere Krankheitsbilder mit unterschiedlichen, z.T. auch gegenläufigen Therapieansätzen aufeinander:

  • Ausgangspunkt war eine Operation nach einer Hernie bzw. einem Gitterbruch. Diese Operation im Bauchbereich führte zu einer ca. 25cm großen Narbe sowie zu einer 20x30cm großen inneren Wundfläche in der Bauchhöhle. Neben dem Tragen einer postoperativen Stützbandage führt diese OP auch zur Notwendigkeit, sich postoperativ mehrere Wochen oder sogar Monate zu schonen und keinerlei Kraftanstrengungen zu vollziehen. Die Regel heißt: Nicht mehr als 5kg schwere Gewichte heben. Zudem sollten Erschütterungen des Körpers zu vermeiden werden.
  • Während der Hernienoperation kam es zudem zu einer beidseitigen Venenthrombose sowie zu einer doppelseitigen Lungenembolie. Die Therapie dieser Krankheiten erfordert neben der mehrwöchigen Einnahme von Blutverdünnern und dem Tragen von starken Thrombosestrümpfen vor allem viel und regelmäßige Bewegung (siehe auch postthrombothisches Syndrom).
  • Des weiteren hinzu kam eine Diabetes Typ 2, die im Hinblick auf die Gefahr plötzlicher Unterzuckerung bei längerer Bewegung zu beachten war.

Die Kombination der unterschiedlichen Krankheitsbilder erfordert die sorgfältige Abwägung bzw. Priorisierung von Therapiezielen und therapeutischen Maßnahmen. Das E-Bike kann aufgrund der hoch individualisierbaren Kombination von Motorkraft und Eigenleistung ein taugliches Instrument sein, um entsprechende Zielkonflikte in vergleichbaren Fällen positiv aufzulösen.

2. Chancen

Die Chancen, der E-Bike-Nutzung sind trotz oder gerade wegen der komplexen Ausgangslage groß. Die unten im Bild dargestellten Auswertungen auf eBike-connect und der Apple Watch zeigen, wie sich mit dem E-Bike viel Bewegung und geringe Kraftanstrengung sehr gut miteinander kombinieren lassen:

  • Bei einfachen, mittleren und selbst bei anspruchsvolleren Touren kann der Motor rund 3/4 bis 4/5 der Kraftleistung übernehmen.
  • Die Trittfrequenz kann trotz relativ geringer menschlicher Kraftentfaltung recht hoch sein.
  • Der Kreislauf wird dadurch gut angeregt, ohne dass die Gefahr einer Überanstrengung droht.
  • Zudem ermöglicht die aufrechte Körperhaltung speziell bei einem SUV das Schonen der Bauchnarbe.
  • Eine enge Bauchstütze kann das tiefe Atmen einschränken – der Motor des E-Bike entlastet bei diesbezüglichen Problemen.
  • Das SUV ist als Tiefeneinsteiger sehr gut geeignet, damit nach einer Operation einfach auf den Sattel gestiegen werden kann.
  • Im Hinblick das Risiko unerwarteter Unterzuckerung bietet der Motor stets zusätzliche Sicherheit.

Die große Chance liegt im konkreten Beispiel in der Kombinierbarkeit von Bewegung einerseits und geringer Kraftanstrengung andererseits. Dies nicht nur bei kurzen, sondern insbesondere bei länger anhaltenden Aktivitäten von einer Stunde oder mehr. Mit einem E-Bike kann man sogar wenige Wochen nach der Operation selbst mit geschwächtem Körper über eine Stunde lang bei minimaler Kraftentfaltung aktiv sein. Im Hinblick auf die Prävention neuer Thrombosen und Embolien ist die Bewegung mit dem E-Bike eine zusätzliche Chance, denn das heimische Sitzen und Liegen ohne Bewegung wird so deutlich reduziert.

Die beiden Aufzeichnungen von eBike-connect zeigen: 3,5 Wochen nach der OP konnten mit dem E-Bike wieder längere Touren mit geringster Kraftanstrengung gefahren werden. Insgesamt übernahm der Motor rund 4/5 der benötigten Energie. Der Fahrer benötigte trotz mehrerer Steigungen im Durchschnitt nur 45w. Nur ganz selten waren es für wenige Sekunden mehr als 100w. Gleichzeitig wurden die Beine mit durchschnittlichen 46 UpM knapp eine Stunde lang durchgängig bewegt (grüne Linie).

Die Aufzeichnung der Apple Watch verdeutlicht: Die Herzfrequenz lag während der Fahrt im Durchschnitt bei 107 bpm. Dies entspricht einer deutlichen Steigerung gegenüber dem Ruhepuls. Ausschlaggebend dafür ist in der Regel die Trittfrequenz, die beim E-Bike nicht automatisch zu hoher Kraftanstrengung führt.

3. Risiken

Im Hinblick auf den geschilderten Fall sind mehrere Risiken zu beachten, u.a.:

  • Zunächst besteht mit dem E-Bike ein Sturzrisiko, dass u.a. zu Blutungen führen kann, die bei Einnahme von Blutverdünnern problemtisch sein können.
  • Bei einem Sturz kann auch die noch nicht abgeheilte innere Wundfläche der Hernienoperation geschädigt werden.
  • Gleiches gilt bei zu starker Eigenleistung beim Bewegen des E-Bikes. Entscheidend ist diesbezüglich die Selbstdisziplin.

Ein weiteres Risiko besteht durchaus darin, dass das E-Bike dazu verführen kann, längere Strecken ohne „eigenes Zutun“ mit maximaler Motorunterstützung zu fahren. Dadurch wird der Stromverbrauch des E-Bike signifikant erhöht, was schnell zu einem leerem Akku führen kann. Dann besteht das Risiko, dass der Weg zurück mit umso mehr Anstrengung verbunden ist. Es ist daher vom Beginn jeder Fahrt stets genau auf den Energieverbrauch zu achten.

Bei vorsichtiger Fahrweise und zusätzlicher Schutzausrüstung ist das Risiko aber insgesamt sehr niedrig.

4. Fazit

Der Ausgleich von Zielkonflikten verschiedener Krankheitsbilder kann im konkreten Fall durch die Nutzung eines E-Bike gut ermöglicht werden:

  • Es verhindert zu starke körperliche Anstrengung.
  • Es ermöglicht andererseits eine gute Aktivierung der Muskel-Venen-Pumpe.
  • Schließlich gibt es auch die Sicherheit, im Falle eines sinkenden Glucose-Spiegels relativ sicher wieder nach hause zu kommen.

Dieses Ergebnis ist vor allem im Vergleich zu den Alternativen „Fahrradfahren“ und „Gehen“ zu sehen:

  • Das einfache Gehen – auch über längere Strecken – ist sicherlich stets eine gute Alternative. Es hat allerdings auch einige Nachteile:
    • Gehen läßt den Körper häufig stärker erschüttern als Radfahren.
    • Jeder Schritt kann daher postoperativ für Schmerzen sorgen.
    • Das Verhältnis von Kraftanstrengung und Kreislaufertüchtigung kann sich zudem bei längeren Strecken als problematisch erweisen.
      • Man muss beim Gehen seine Kraft stets gut einteilen, da keine „Zusatzkraft“ wie beim E-Bike existiert.
      • Längere Strecken können zudem für Diabetiker das Risiko der Unterzuckerung steigern.
  • Bei der Nutzung eines normalen Fahrrads ist zu differenzieren:
    • Tiefeneinsteiger für Männer sind eher selten und Herrenräder postoperativ wegen der höheren Mittelstange nur bedingt zu empfehlen.
    • Es ist daher für beide Geschlechter ein Damenrad zu empfehlen.
    • Dem normalen Rad fehlt auch die Motorpower, um eine möglichst geringe Kraftentfaltung zu ermöglichen.
    • Gegenüber dem E-Bike ist selbst bei langsamer Fahrt mit dem 4-fachen Kraftaufwand zu rechnen.

EMPFEHLUNG

Sobald der Arzt mehr Bewegung erlaubt, ist das E-Bike sehr zu empfehlen!

5. Weiterführende Links*:

Augsburger-Allgemeine

Medpertise

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