HomeTagebuchDiesmal bis zu 46 Prozent Steigung mit dem E-Bike

Diesmal bis zu 46 Prozent Steigung mit dem E-Bike

Heute wollte ich es wissen: Bei Bach/Wald fuhr ich an einer Steigung vorbei, die ich immer wieder aus den Augenwinkeln als extrem steil empfand. Im zweiten Anlauf meisterte ich die Strecke mit 46 Prozent Steigung. Der Aufstieg entsprach dem einer Skisprungschanze. Daher ausnahmsweise: 5 1/2 Sterne!

Sehr starke Steigung; Datum: 13. März 2021; Distanz: 90m; Fahrtzeit: – ; Akku (Start/Ende): – ; E-Bike: KTML LFC 271; Motor: Performance CX/85 NM; Display: Bosch Nyon

Schwierigkeit*:

Route (interaktiv):

  • Link: google. Die abgebildete Karte ist ein GPX-Import der gesamten Fahrt.
  • Der im nachfolgenden Text beschriebene steile Teilabschnitt ist auf der linken Seite markiert.
  • „Steile Steigung bei Wald“  anklicken! 

Erlebnisse & Learnings

Gestern Vormittag war ich beim Arzt. Nachuntersuchung. Exakt ein Jahr nach der Tumor-OP. Ich war zwar nicht wirklich aufgeregt, aber auch nicht tiefenentspannt: Was würde bei Blutuntersuchung, CT und Szintigraphie herauskommen? Ich darf es jetzt sagen: Hurra! Keine negativen Entwicklungen erkennbar. Die positive Diagnose von gestern hat mich heute offenbar ein wenig übermütig gemacht, denn das Abenteuer, das ich heute erlebt habe, war wirklich einzigartig.

Bildlich gesprochen: Ich bin mit dem E-Bike eine Skisprungschanze hinauf gefahren. Auf den Vergleich kam ich durch dieses etwas ältere Video von Haibike:

Die Strecke kurz hinter Bach/Wald (der gleiche Ortsteil hat zwei Namen) ist auf den ersten Blick kaum erkennbar: Es handelt sich um einen stark verlaubten Waldweg, dessen Konturen sich im genauso verlaubten Restwald kaum abheben. Aber ich hatte den steilen Weg schon vor Monaten bemerkt – nur kam ich nicht auf die Idee, es mal dort hinauf zu versuchen. Das Ganze sah mir einfach zu steil aus: Noch steiler als die knapp 39%ige „Steilwand“ bei Innerwald. Hinzu kommt der ungünstige Boden: Steine, Geröll, Laub – keine Chance dachte ich mir immer wieder.

Doch heute war irgendetwas anders bzw. besonders: Ich führe es auf die guten gesundheitlichen News zurück.

Auf dem Link zu google maps kann man noch gut erkennen: Ich fuhr erst ganz ohne Ambition 50m vorbei, dann grübelte ich und schließlich lachte kurz, dass ich es schon wieder nicht versucht hatte, hier hinauf zu fahren. Innerlich angestachelt drehte ich um: „Vielleicht geht ja doch was!“ Ich stieg ab, schaute mir den Boden des Waldwegs an und stellte zu meiner Überraschung fest: „Vollkommen trocken!“ Und das, obwohl es vorgestern Nacht in Strömen geregnet hatte. „Am feuchten Boden wird es nicht scheitern“ dachte ich mir. Andererseits hatte ich heute mein ganzes Gepäck dabei, weil ich eine längere Tour machen wollte. Das Gesamtgewicht des E-Bike betrug daher mit allem Drum und Dran  rund 30 kg. Mein Gewicht inkl. der mehrschichtigen Sicherheitsausrüstung wird bei 95kg gelegen haben. Ergo: 125kg wollten den Berg hinauf. Gepowert von 85 NM der Performance CX von Bosch und der Antriebskraft meiner Beine.

Erster Anlauf: Nach wenigen Metern war Schluss

Ich stellte den Sattel ganz nach unten, denn eins war klar: Die Strecke würde an die Körperhaltung maximale Anforderungen stellen. Es folgte der erste Anlauf, der nicht wirklich erfolgreich war: Nach den ersten besonders steilen 30m war Schluß! Der Boden war zwar trocken, aber voll mit dicken Ästen, großen Steinen und Schotter. Die Räder drehten durch. Ich mußte absteigen, schob 5 Meter, stieg wieder auf und fuhr die weitere Strecke mit kurzen Unterbrechungen bis ganz zum Ende. Nach wenigen Metern war erneut Schluss – die Strecke ist eine Sackgasse. Folglich drehte ich wieder um.

Auf dem Rückweg entfernte ich an den steilsten Stellen Steine und Äste. Zudem räumte ich etwas Laub zur Seite, wo es aus meiner Sicht angebracht war. Ich nahm ein paar Videos und Fotos auf, um dann wieder ganz nach unten zu fahren. Ich prüfte noch einmal mit kritischem Blick den besonders steilen Anfang der Strecke. Aus Neugierde prüfte ich mit der mobilen Wasserwaage die Steigung an dieser Stelle: 25 Grad – das, so war ich mir sofort sicher, war und ist definitiv noch steiler als die Strecke bei Innerwald oder die Aschauer Skipiste. Beide Strecken war ich erst kurz zuvor gefahren. Einziger Vorteil der Strecke bei Wald/Bach: Der besonders steile Teil der Strecke ist nur rund 30-50m und die Gesamtstrecke etwa 90m lang. Das wiederum entspricht in etwa der Länge der Skipiste im Video von Haibike.

 Zweiter Anlauf: Ohne Stop bis zum Gipfel

Bevor ich losfuhr holte ich nochmal tief Luft. Ganz langsam fuhr ich an – ganz ohne Schwung! Der, so hatte ich jetzt mehrfach festgestellt, ist bei groben Gelände kein Vorteil. Im Gegenteil. Wichtig ist die eigene Power und bei schlechtem Boden vor allem die gute Balance und „das genau Lesen des Weges“. Man muss auf so einer kurvigen Strecke laufend lenken und Hindernissen ausweichen, um auf der Ideallinie zu bleiben. Das gelingt nur, wenn man komplett ohne Schwung fährt und von Beginn an die optimale Körperhaltung einnimmt.

Das Bild links zeigt den etwas größeren Ausschnitt mit beiden Touren (die erste war länger, die zweite kürzer). Das rote Rechteck markiert den Ausschnitt, den das rechte Bild darstellt. Man erkennt deutlich die S-Kurve der Strecke – es ist also keine Geradeaus-Fahrt. Man muss laufend lenken!

Nun ging es los: Voll konzentriert fuhr ich bei eingeschaltetem Turbo im kleinsten Gang mit etwa 100 Umdrehungen pro Minute den Berg hinauf. Übersetzt heißt das: Ich bin überwiegend mit Kraft gefahren, weniger mit Trittfrequenz. Das ist immer dann von Vorteil, wenn der Boden guten Grip hat, da man mit weniger Umdrehungen ruhiger fährt und man mehr auf die Details der Strecke achten kann. Das wiederum ist bei diesem stark verlaubten Weg besonders wichtig: Jede Abweichung von der Ideallinie führt zum sofortigen Stop. So aber kam ich in einer guten Kombination von hoher Konzentration und Krafteinsatz bis ganz nach oben – ohne Anhalten (siehe Bilder unten).

Die Aufzeichnung von eBike-Connect hat mir im Rückblick verraten, dass ich eine durchgehende Steigung von ca. 38,5% bewältigt hatte. Anders formuliert: Es waren 35 Höhenmeter auf einer Distanz von ca. 90m. Und wie bereits gesagt: Die maximale Steigung beträgt am Anfang laut mobiler Wasserwage 25 Grad (= ca.  46%). In Gänze entspricht die Steigung etwa der von der Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstorf – aber: Boden und Grip sind erheblich schlechter!

Man sieht gut die zwei Hügel nebeneinander: Der erste Anlauf verlief nicht optimal. Dafür klappte es beim zweiten umso besser Laut eBike-Connect von Bosch betrug meine stärkste Kraftentfaltung beim zweiten Anlauf über 400 Watt bei 98 Umdrehungen pro Minute. Das ist eine eher geringe Trittfrequenz, die den Rückschluss erlaubt, dass die Power (diesmal ausnahmsweise) nicht aus der Umdrehung gekommen ist. Mit etwa 10 km/h ging es rund 90m weit und 35m hoch den Berg hinauf – ohne Absteigen.

Als ich wieder hinab fuhr, hatte ich offenbar noch genug Kraft und Motivation, um eine längere Anschlusstour zu machen. Ich fuhr noch bis Innerwald. Doch dazu mehr in diesem  Beitrag (die Strecke ist aber auch hier auf den obigen Linke nachvollziehbar).

* Achtung: Die Steigung bei Bach/Wald ist nur geübten E-Bikern zu empfehlen!

Wie so oft: Das Video vermittelt kaum die massive Steigung. Dafür kommt ganz gut die Bodenbeschaffenheit zum Ausdruck: Steine, Lauf und Äste – und das 100m lang bei einer Steigung von durchschnittlich über 35%. Im Maximum sind es rund 46%. 

Die Bilder der Strecke bei Bach: Das Bild der Wasserwaage läßt ahnen – hier ging es richtig bergauf!